Die Nachsuche
Die Nachsuche

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Die Jagd verändert sich - und schon steht der Abgesang des gesamten Nachsuchenwesens im Raum - und das aus durchaus berufenem Mund.

 

Das Wärmebildgerät ist herorragend geeignet um Schweiß zu identifizieren, lesen wir als Verkaufsargument - das können wir getrost vergessen. Es funktioniert einfach nur wenn der Schweiß ganz frisch ist und in ausreichender Menge vorhanden ist, das ist nicht zuverlässig.

Die Nachtsichtdrohne wird die Nachsuche mit dem Hund bald überflüssig machen. Wird sie nicht: krankes Wild steckt sich gerne und ist dann auch für Wärmebildtechnilk unsichtbar, erst recht während der Vegetationsperide. Soll die Drohne ein ganzes Gebiet "abrastern"? Was weiß sie dann über ein Stück, das sie zufällig findet und das noch "herumläuft"? Und was macht dann die Drohne, wenn sie ein lebendes Stück findet, vielleicht auch noch in vielen Kilometer Entfernung.

 

Der Wolf wird die Nachsuchen erledigen und die Nachsuchenhunde gleich mit. Auch der Wolf ist nicht immer überall, auch ihm entgeht krankes und leidendes Wild.

Und seien wir mal ehrlich, wieviel Nachsuchenhunde verlieren wir am Schwarzwild (was als "edler" Tod gilt) und wieviel am Wolf (welch ein Skandal) ...

 

Zuviele "wildgezüchtete" Schweißhunde nehmen uns die leichten Erfolgssuchen weg, weil diese auch ein unausgebildeter BGS hinbekommt. Da ist was dran - aber wir wollen doch nicht allen Ernstes den Jägern vorwerfen einen Hund für die Arbeit nach dem Schuß zu halten. Dieses Problem wird sich von selbst erledigen. Ich sehe viele von diesen Hunden: zu klein, zu unsportlich, zu harmlos, zu unroutiniert. Insbesondere die BGS (ohne Papiere) sind züchterisch offenbar nicht auf gutem Wege. Das wäre nicht die erste Jagdhunderasse, die zum Gesellschaftshund "verkommt".

 

Auch treffen wir auf Reviere, die jüngst nennenswerte Streckeneinbrüche auf den Drückjagden zu verzeichnen haben. Wolf und Luchs, auch die Nachtsichttechnik und die ASP wirken sich inzwischen vielleicht doch zumindest regional auf die Wildbestände aus.

So ist die Anzahl der Sucheneinsätze  insgesamt zurückgegangen.

Das bringt natürlich Probleme für das Nachsuchenwesen mit sich: so mancher Hund wird nicht ausgelastet, für die Ausbildung des Nachwuchses fehlen Suchen mit sicherem Ausgang um die "Jungen" bei Laune zu halten.

 

Aber sollen wir deswegen ernsthaft den Riemen an den Nagel hängen?

Ich denke nein, schließlich arbeiten wir im Dienste der leidenden Kreatur.

Die vorgenannten Probleme müssen wir natürlich vermehrt kommunizieren, auch sollten die Nachsuchenführer deutlich mehr an einem Strang ziehen - daran fehlt es nämlich vielerorten.

Wir müssen immer wieder klar machen, was eine professionelle Nachsuche ist und daß eine bestandene Prüfung im Fach "Schweißarbeit" noch lange kein gutes Nachsuchengespann abgibt.

Nur der Hund der regelmäßig mit schwierigen Fährtenlagen konfrontiert wird, kann diese auch meistern.

Widergänge, Absprünge, Schleifen, mit überregneten, überschneiten, überfrorenen, mehrere Tage alten Fährten, schwierigen Wetterlagen, mit Flußüberquerungen und verschiedensten Untergründen, Dickungen, gesättigt mit der Witterung eines ganzen Rudels, das Auftauchen gesunden Wildes und vieles mehr begenet dem Hund im Nachsucheneinsatz.

Nur der routinierte Hund kann -auch zufällig aufgefundene-Krankfährten in einem Bündel von Gesundfährten "interpretieren", diese auch ohne jedes Pürschzeichen unmißverständlich verweisen, die Richtung klären, das Alter der Fährte, den Zustand des Stückes und sogar die Erfolgsaussichten einschätzen und daraus selbständig das weitere Vorgehen ableiten, sei es am Riemen oder auf der Hatz. Und dann muß der Hundeführer das alles auch noch an seinem Hund "lesen" können, wofür es viele Einsätze braucht.

 

Was weiß der Hundeführer wirklich nach 10 Einsätzen über den Finderwillen, das tagelange Durchhaltevermögen seines Hundes, der dann auch noch, nach langer Riemenarbeit, gefolgt von ausdauernder Hetze, ohne auf gesundes Wild zu wechseln, eine vernünftige Schärfe und Härte ohne Selbstaufopferung am gestellten Wild zeigen soll.

Kann er den Fährtenverlauf, die "Kurven" auf seinem Garmin interpretieren, den mehrmaligen, wieder abgebrochenen Versuch einer Sau sich in Hecken und gefallenen Baumkronen zu stecken. Ahnt er, was sein Hund so getrieben hat, wenn er nach stundenlanger Hatz fröhlich aus dem Wald zurückgehüpft kommt ....

 

Jeder Jagdhund sollte eine vor ihm liegenden Fährte -und sei sie mit Appenzellerkäse gezogen- arbeiten können aber das ist eben noch lange keine Nachsuche.

Wenn den Jägern das bewußt ist, mögen sie doch ihren "Bayerischen" am Riemen auf den Streckenplatz führen, schließlich wollen wir doch Hunde in Jägerhand.

Die Züchter von leistungsfähigen "Spitzenhunden" müssen sich halt weiterhin der ungelenkten Massenzucht einer in Mode kommenden Hunderasse enthalten.

Was hat ein Spitzenprädator mit dem Sofa zu tun.

 

Die Geschichte des Hundes als Gefährte des Menschen ist hoch interessant.

Der vor rund 40.000 Jahren einwandernde Homo Sapiens fand eine reiche pflanzenfressende Megafauna mit hoher Populationsdichte vor, so konnten einige wenige Jäger hochenergiereiche Nahrung für viele Tage in kurzer Zeit für eine ganze Sippe beschaffen. Der Homo sapiens war ein effizienter, erfolgreicher Jäger. So hatten die Mitglieder der Sippe plötzlich „Freizeit“, sie konnten sich mit „neuen“ Dingen auseinandersetzen, sie konnten experimentieren und gleichzeitig konnte das Gehirn konnte durch die energiereiche Nahrung eine außergewöhnliche Entwicklung durchmachen. Die Menschen brauchten nicht mehr fast die ganze Wachzeit zur Beschaffung und Verarbeitung der ausreichend großen Menge energiearmer Nahrung.

 

Auch der Mensch ist ein Spitzenprädator, was seine Entwicklung maßgeblich beeinflusst hat oder überhaupt erst ermöglichte.

Der Wolf steht als Räuber ebenfalls an der Spitze der Nahrungskette, er ist ebenfalls ein Spitzenprädator. Auf allen Kontinenten sind die Spitzenprädatoren untereinander verfeindet, meist auch innerartlich. So ist es sehr außergewöhnlich, dass zwei instinktiv verfeindete Spezies eine intensive Zusammenarbeit entwickeln.

Es steht die aufregende Hypothese im Raum, dass die Hilfe durch hybridisierte Wölfe dem Menschen einen großen Sprung in der Effizienz seiner Jagd ermöglichten.

 

Nach der letzten großen Eiszeit war Mitteleuropa eine Grassteppe mit Wollnashörnern, Mammuts und anderen großen Pflanzenfressern (Megafauna), das änderte sich mit der Erwärmung vor rund 14.500 Jahren; Wälder entstanden, das Grasland ging zurück, die riesigen Pflanzenfresser verschwanden, was ein Aufwachsen des Waldes ermöglichte, vielleicht auch durch die Übernutzung der stark ansteigenden jagenden Bevölkerung. Kleinere, wendigere Säugetiere mussten im Wald gejagt werden. War der  Hund als Faktor bei der Entwicklung einer hocheffizienten Jagd entscheidend und hat er somit der rasanten Entwicklung des modernen „verstehenden“ Menschen, des Homo sapiens, erheblichen Vorschub geleistet?

Die geplante, organisierte Jagd unter Zuhilfenahme von Waffen übte der Mensch seit mindestens 300.000 Jahren aus, wie uns die Speerfunde in Schöningen lehren, wann aber kam der Wolf / Hund als Helfer dazu?

Jahrtausende hatte der Hund neben dem Menschen klare Funktionen: Jagd, Schutz, Hüten der Nutztiere, die der Mensch seit der landwirtschaftlichen Revolution hielt aber auch der Hund als Gesellschafter dürfte eine lange Geschichte haben. Der Hund war ein hochnützlicher und anpassungsfähiger Gefährte.

Dann kam im 19. Jahrhundert, insbesondere in England, die Hundeshow auf. Die Zuchtbemühungen galten jetzt dem letzten Zentimeter Bartlänge, einer bestimmten Fellfarbe oder Kopfform. Der Charakter dieser Hunde sollte einfach nur unproblematisch sein, sie sollten in dem Ausstellungsgeschehen händelbar sein, ohne Reviergehabe, ohne Rangordnungswillen, ohne Aggression. Die leistungslose Formwertzucht war geboren. Einige Hunderassen gerieten so in einen regelrechten massenhaften wettkampforientierten Zuchtwahn. Das führte zu radikalen Wesensveränderungen, zu dem fast aufgelösten eigenen Willen, zu dem fast pathologischem Zwang seinem Herrn gefallen zu wollen, den wir heute besonders bei vielen Retrievern finden. Frei von jeglicher Aggression steht im Zuchtbuch einiger Zuchtvereine dieser Rassen. Entscheidende und konstituierende Aspekte im Verhaltensrepertoire des ehemaligen Raubtieres sollten komplett verschwinden. Die totale Anpassung an die Bedürfnisse des (Stadt-) Menschen war gefordert.

So entstanden zwei „Fraktionen“ die show-dogs und die working-dogs. Hunde, die weiterhin nützliche Aufgaben wahrnehmen sollten, die „arbeiten“ sollten, wurden in eigenen Zuchtlinien mehr oder weniger isoliert vermehrt. Die meisten Gesellschaftshunde stammen von den show-dogs ab. Jagdhunde, Hütehunde, Schutzhunde wurden zu Gesellschaftshunden und verbringen zumeist ein Leben in latenter Unterforderung. Diese Hunde müssen beschäftigt und ausgelastet werden um Verhaltensauffälligkeiten abzumildern. Der Hundesport wurde erfunden. Aber durch einen Stofftunnel zu krabbeln ist Dressur und hat nichts zu tun mit einem Hund der sein angewölftes Bedürfnis nach triebhafter Betätigung ausleben kann, es wird nicht der selbständig entscheidende und handelnde Hund gefördert. Der durch ständige Leckerli-gabe dressierte Hund, der brav durch den Tunnel rennt, „Sitz“ macht und „wortlos“ an der Leine geht, wird als folgsam und wohlgezogen wahrgenommen. Der städtische „Normalhundebesitzer“ ist nicht mehr bereit einen Hund mit seinen „raubtierhaften“ Eigenschaften und Bedürfnissen hinzunehmen und kann auch nicht mehr mit diesem umgehen. Die wenigsten Bürger wissen noch, dass man einen unbekannten Hund einfach nicht „begrüßt“, ihn nicht anspricht (…ooooch, ist das Hundilein aber süß…) und ihn dabei schon gar nicht mit seinem Blick fixiert, sondern einfach komplett ignoriert. Und kaum einem Hundebesitzer ist klar, dass dreimal täglich denselben Feldweg rauf und runter zu marschieren die wenigsten Hunde auch nur annähernd auslastet.

Aber es gibt sie noch, die Hunde die hochanspruchsvolle Aufgaben wahrnehmen und sehr nützliche Arbeiten erledigen. Die Rechtsprechung hat viele jagdliche Tätigkeiten verboten, oder eingeschränkt, so verbietet es das Tierschutzgesetz ein Tier (z.B. den Hund) auf ein anderes Tier (z.B. Wild) zu hetzen. Die Hunde führen also verschiedene zuarbeitende Arbeiten durch: Stöbern, Vorstehen, Verweisen, Apportieren usw.

Eine Ausnahme stellt das „Korrigieren“ von Fehlern oder von Unfallfolgen dar, die es erfordern Tierleid zügig zu beenden. Das trifft auf die Nachsuchenarbeit zu, sie wird unter anderem mit sogenannten „jagenden Hunden“ durchgeführt, die eine komplette Jagd beherrschen müssen: verfolgen auf kalter und warmer Fährte, hetzen, überwältigen oder Stellen des Wildes und es, wenn möglich, auch töten. Dabei arbeiten die Hunde nicht selten völlig selbständig und außerhalb des Einflussbereiches des Hundeführers. Sie müssen selbstständig Entscheidungen treffen und arbeiten. Dafür brauchen wir zwingend die intrinsische Motivation des Hundes, nur so sind Spitzenleistungen möglich. Wir brauchen Hunde die „Lust“ auf körperlichen Einsatz, Durchhaltevermögen und eine totale Fokussierung auf Ihre Aufgaben haben. Nichts davon hat etwas mit Dressur zu tun, all das hat mit dem „Trieb“ des Hundes zu tun und die Trieberfüllung ist für diese Hunde die entscheidende Lebensäußerung.

Dafür muss der Trieb auch noch vorhanden sein, er muss gefördert werden, er muss ausgelebt werden dürfen. Der Hundeführer muss der Garant für diese Trieberfüllung, für die herrlichsten Abenteuer sein.  Beim jagenden Hund steht das Beutemachen im Fokus: töten um zu überleben.

Für die Städterin die mit ihrem schicken Weimaraner an der Leine über die Prachtstraße flaniert, ist das natürlich völlig unakzeptabel. „Das ist auch ein Jagdhund“ wird dann stolz mitgeteilt. „Der geht mit meinem Mann zur Jagd“ .... fünf Sonntage im Jahr und dann darf er auch mal an dem just erlegten Bock schnuppern … ein modernes Hundeleben.

Ruf   0177 4316091

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