Die Nachsuche
Die Nachsuche

Neueste Aventuren des Ritters

Lancelot vom See
Arthur vom Granatstein *12.12.2016

Ausgezeichnet ...

 

Lancelot muß jetzt mit Sir Lancelot angesprochen werden - er hat meine -fast ins Wanken geratene- Hundewelt wieder ins Lot gebracht:

 

Verbandsschweißprüfung (VSWP) bestanden mit der Note 1, einhellige Bewertung aller Prüfer: "ausgezeichnete Arbeit". Er ist Suchensieger geworden. Wir sind Suchensieger geworden. Seine Suche war professionell, konzentriert und recht sauber ... aber das Wichtigste: er wollte! Er zeigte diesen Willen zum Erfolg, den ich bei den Bracken so liebe.

 

Das erschien mir kaum mehr möglich, waren doch seine Leistungen auf der Kunstfährte nicht mehr so überzeugend, er hatte einfach keine große Lust mehr auf "Fake" und so hatten wir doch recht nervige Wochen. Ohne zu wissen, ob das wirklich der richtige Weg ist, habe ich ihn nach dem "Durchfaller" hart in die Arbeit genommen und musste mich so manches mal hart beherrschen, wenn er so larifari im Gebüsche herumhüpfte ... aber er ist halt kein Professor, er ist ein Haudegen, halt ein Lancelot, der sich durch einen knurrenden Magen offenbar doch beeindrucken läßt, denn Fressen gab es nur noch am Ende einer Fährte: sein Napf stand immer direkt neben der "Beute".

 

Aber nun ist Schluß mit künstlichen Fährten, Schluß mit ollen Sauschwarten, müffelnden Rotwilddecken und gefrorenem Wildschweiß.

Auf zur "hohen Suche", du fröhliche, du lustige Bracke.

Durchfall ...

Ja, Lancelot ist durch die Prüfung gefallen.

Natürlich waren die Prüfer, das Wetter, die Umstände und alles andere schuld.

Stimmt aber leider nicht so ganz:

die Prüfer waren absolut ok und haben das ganze Geschehen in jeder Hinsicht gut gestaltet.

Das Wetter war leider ein Problem. Das habe ich exakt so mit Zhivago schon einmal erlebt:

5 Stunden warten, weil ich als Letzter an der Reihe war, Morgentau weg, 28 Grad, Boden trocken (unter 10% Feldkapazität) - zum Wimmern.

Der Hund hat rund 300 m sauber gearbeitet und mir dann den "ganzen Babel vor die Füße geschmissen".

Der "Lappen" hing bis zum Bauchnabel, Rotwild trabte vor seiner Nase herum und das Gewarte vorher war auch öde.

Es rächte sich was natürlich bekannt und zu erwarten war: nach Zhivago´s plötzlichem Tod hat Lancelot unplanmäßig und vorzeitig den "Dienst übernommen" und so bereits 50 echte Suchen absolviert, was sein Interesse an offensichtlich  künstlichen Fährten schwinden läßt. Und schließlich soll der reife Hund ja auch unechte, also nicht erfolgversprechende Suchen als uninteressant "melden" und selbsständig meiden.

Trotzdem bleibt es dabei: Lancelot hat aufgegeben, was Zhivago niemals getan hat.

In solchen Momenten wird mir der Verlust dieses wirklich großartigen Ausnahmehundes schmerzlich bewußt. Hinter ihm hatte ich nur einen Job: hinterher stolpern, er ließ kaum eine "Frage" offen, er gab nie auf ...

 

Lancelot´s Suchenstatistik bisher ist gut - er kann es. Jetzt muß er nur noch eine ordentliche Prüfung ablegen. Er muß wollen ...

 

Das er Suchen kann und auch will, hat er mir mit seiner fabelhaften Suche, an zwei Tagen und vielen Kilometern auf der nahezu schweißlosen Widderfährte, im Januar bereits bewiesen, er hat mich ja schließlich ohne große Umwege, praktisch ohne Bestätigung direkt zum Widder geführt.

Was ohne Frage schon zur hohen Schule zählte.

In Erinerung an eine stolze Bracke: Doktor Zhivago

13.01.2019 die Saison neigt sich dem Ende zu und Lancelot ist nun 2 Jahre alt. Etwas dürr ist der Bengel ja noch aber die athletische Figur schimmert schon durch - wir sind ja auch gut im Training. Lancelot ist eine schöne Bracke geworden.

 

Soeben haben wir 3 Suchen vom gestrigen Tag erledigt: ein Rottier gefunden nach 200 Metern, auf über 20 Stunden alter Fährte. Ein Reh gefunden nach kurzer Suche, ebenfalls auf über 20 Stunden alter Fährte, nach anhaltendem Regen. Eine Fehlsuche, auf der sich schon ein anderer Nachsucheführer versucht hatte - auch wir konnten diese stark überregnete Krankfährte nicht zu Ende bringen.

Gestern haben wir eine Suche auf einen Hirsch nach 500 Metern zu Ende gebracht.

Ein Keiler wurde nach kurzer Suche gestellt. Ich konnte schnell erkennen, daß dieser Keiler nicht mehr so sehr gefährlich werden konnte, ich ließ Lancelot an das hauende Schwein heran, und animierte ihn zu bösem Standlaut. Er attackierte - hielt aber vorsichtigen Abstand, sobald sich der Keiler im zuwendete. Sein erster direkter Kontakt an einem Keiler. Der erlösende Fangschuß fiel. Die Suche war ordentlich zu Ende gebracht.

 

Lancelot´s Verhalten auf der Suche wird klarer, eindeutiger. Gesunde Fährten werden konsequenter abgelehnt, kranke führen zu sichtbarem Interesse.

So hat er vorgestern in der fortgeschrittenen Dämmerung und bei Regen eine völlig unbestätigte Kontrolle auf ein Reh so eindeutig mit einem Einstieg in eine Suche quittiert, daß ich klaglos hinterherdonnerte. Nach 200 Meter standen wir -ohne jede Verirrung- vor der Beute.

 

Lancelot ist ein Fauler.

Ich muß ihn des Öfteren aus dem Bett schmeißen, wenn es zur Arbeit gehen soll. Regen: bäh... , raus aus der warmen Kiste: bäh... , Schutzweste anziehen: bäh... , ist er aber erstmal am Tatort angekommen ist er voll er Eifer, voller Lust und Tatendrang.

Er wird genauso zickig und miststückig werden, wie wohl viele Bracken - er läßt sich schon etwas bitten ...  ja, ja: eine Bracke kann man halt nicht zur Arbeit zwingen.

 

Auch ist er deutlich weniger auf mich fokussiert, als der Doktor es war - aber das ist gut so; er ist ein völlig anderer Hund, was die Versuchung zu unförderlichen Vergleichen schmälert. Seine Erfolgsquote kann sich sehen lassen und es gibt keinen Grund anzunehmen, daß er kein guter Sucher werden kann.

 

Etwas mehr spontane Schärfe darf noch kommen. Er "überlegt" immer noch kurz, wenn er am Stück steht, wo Zhivago losgeschossen ist, als wäre er katapultiert worden -  aber Bracken sind nun mal Spätentwickler und Lancelot muß seinen eigenen Weg finden.

 

Ho Rüd´ ho, du kleiner Sucher.

07.10.2018

Die letzten drei Übungsfährten waren echte Arbeit:

900m und 1300m jeweils rund 4 Stunden alt, ich mußte ab und zu helfen, es war schon eine harte Probe für ihn. Findet er die Fährte nach einem Verlust wieder, verliert er sie mit seiner Ungeschicktheit sofort wieder. Er kaspert einfach zuviel herum. Fraglich ob er unter realistischen Bedingungen angekommen wäre.

Dann 950m, 22 Stunden alt. Eine wunderschöne Suche mit ruhiger und konzentrierter Arbeit. An einer Verleitung (Witterung einer Sauenschwarte, die nicht zur Suche gehörte) mußt ich ihn vorsichtig ermahnen - aber er hat begriffen, was das Problem ist und seine Arbeit problemlos wieder aufgenommen, ebenso an einer kreuzenden Übungsfährte älteren Datums. Zweifellos wäre er auf einer echten Suche angekommen.

 

Nun kommt ein neuer Aspekt hinzu: die Abstände zwischen Zhivagos epileptischen Anfällen werden kürzer - leider. Vielleicht muß Lancelot früher als geplant den Dienst übernehmen ...

14.07.2018

Kürzlich hat Lotti eine "Arbeit" tatsächlich abgebrochen, allerdings war die Fährte mit 26 Stunden Standzeit und 800m Länge, in brütender Hitze, auf ausgedörrtem Boden sogar für den geübten Hund eine Herausforderung und wohl etwas zu schwierig. Ich habe ihn kommentarlos zur Fährte zurückgeführt und er hat die Suche wieder aufgenommen und ordentlich beendet.

Jetzt unterbrechen wir wegen der anhaltenden Trockenheit die Fährtenarbeit und üben allgemeine Disziplin. Auch die körperliche Ertüchtigung muß trotz der sommerlichen Hitze weiterlaufen.

Es macht Spass mit Lancelot, er ist sehr willig und eifrig. Er bestätigt meine These, daß sich ein in seinem Trieb ausgelasteter und grundzufriedener Hund leichter zur Disziplin führen läßt.

Vermehrt übe ich nun mit ihm alleine, er dreht sich noch ständig um und schaut nach seinem Freund. Er mag noch gar nicht wahrhaben, dass es nun an ihm ist ...

Vor ein paar Tagen hat er ein im Gras verstecktes Reh, das Zhivago am Riemen ihm gekonnt anzeigte, hochgemacht und da er nicht am Riemen lag, konnte ich sein gleichmäßiges Geläut auf der warmen Fährte nun endlich unter realistischen Bedingungen hören (das wurde aber auch Zeit, er ist 18 Monate alt ...). Mithilfe des Ortungsgerätes konnte ich ihm schnell und unbemerkt den "Weg abschneiden" und ihm das sehr wichtige Erlebnis "der Boss ist immer und überall da, wo Jagd ist..." verschaffen.

 

Nase unten, fröhliches, helles Geläut, die Milchstraße einmal rauf und runter sausen - da war es, das herrliche Brackenleben. Er ließ sich problemlos abrufen.

Lancelot ist also angekommen, auf der Brackade durch Sonne, Mond und Sterne.

 

Lancelot ergreift erlegte Stücke nun beherzt und wütend an der Drossel. Er entwickelt Schärfe. Bald wird er das -auf ungezählten Übungsfährten- erlernte mit seinem Jagdtrieb zusammenbringen ... die Gelegenheit wird kommen.

Er ist ein hübscher Bengel geworden.

Die Arbeit auf der künstlichen Fährte ist für ihn Routine.

Er ist allerdings eher von der dreisten Sorte, auch werden seine Herausforderungen an Zhivago jetzt ernster. Und er ist wasserscheu, ...Mist.

Die Suchensaison kann kommen.

26.05.2018

Nachdem Lottilein vor kurzem große Probleme auf einer 700m Übernachfährte (24 Stunden alt) mit Rotwild hatte (er wäre ohne Hilfe nicht angekommen) nun ein neuer Versuch:

Übernachtfährte (20 Stunden alt), Schwarzwild, extreme Trockenheit, Sonne, Magerrasen, Wege, Wald, 500m.

Lancelot arbeitet wieder wie ein Profi, routiniert, sicher, konzentriert. Trotz der hochsommerlichen Trockenheit kommt er unter realistischen Bedingungen in rasantem Tempo an. Eine motivierende Übung. Das ist mein Hund!

15.04.2018

Lancelot ist jetzt 16 Monate alt. Wir arbeiten jetzt eine Fährte die Prüfungscharakter (VFSP) hat:

20 Stunden, übernacht, 1,2km lang. Laubwald, Nadelwald, Wege, Gräben, Bäche, Wiesen, Dornen, mehrere rechtwinklige Haken, ein Widergang. Der Hund muß den "Anschuß" selbständig finden.

Ich helfe nicht und gebe ihm auch keine Zeichen - er soll völlig auf sich alleingestellt arbeiten.

Die "Verbandsfährtenschuhprüfung (VFSP)" soll ihm eines Tages die Arbeit als "behördlich bestätigter Schweisshund" ermöglichen.

Lancelot hat deutlich an Gehorsam zugelegt. Er folgt sehr gut, läßt sich dauerhaft ablegen, vor einigen Tagen konnte ich ihn per Garmin Funksignal wieder zum Ablegen bewegen, nachdem er sich von seinem Platz erhoben hatte und einige Meter Verfolgung aufgenommen hatte - ich war bereits länger und in größerer Entfernung außer Sichtweite. Er ist etwas dreist - so steht er mir gerne vor den Füßen herum und weicht auch nicht wenn ich drängele ...

Wie es begann... damals mit knapp 4 Monaten:

Schluß mit lustig am 18.02.2018

Jetzt geht es mal richtig zur Sache:

Übungsfährte mit 700m Länge, Sau, durch die Reste von stinkendem Senf, mehrere Haken, Grasweg, dann ein nasser, schwerer Acker, simulierter Anschuß mit Ausschuß und Partikelwolke, 25 Stunden alt.

Lancelot startet gut, geht zügig durch den Senf, er findet auch den spitzen Haken. Auf dem Grasweg wird es schwierig, aber er hält die Fährte, ich habe die Decke mitgetragen und sehe jetzt, daß er oft in Lee der Fährte sucht - genau so war das gedacht, die Geruchslandschaft soll jetzt komplexer werden, so wie in der Realität auch. Der Acker klebt an den Schuhen, sogar der Hund hat jetzt schnell "Matschlatschen" an, was ihn aber nicht im geringsten stört. Der Dreck ist lästig in der Nase, der Nasenschwamm ist schmutzig, Lancelot bläst viel. Aber er sucht ohne Unterlass und hochengagiert.

Das Luftbild (Lancelot: weiß) offenbart, daß er große Probleme auf dem Acker hat. Auch die Schalen am Fährtenschuh waren beim Legen der Fährte völlig vermatscht. Ich helfe nicht, er arbeitet sich mühsam vor, läßt keine Ermüdung sehen.

Erst 10m vor dem Ziel gebe ich einmal knapp Hilfestellung - er kommt an, unter realitischen Bedingungen.

Ja es ist Schluß mit lustig, die Arbeit wird härter.

Die gearbeitete Distanz 1600m. Lancelot hat toll gearbeitet.

Februar 2018

Die letzte Übungsfährte war absolut mäßig. Lancelot hatte offenbar Wind von der Beute am Ziel und ließ sich sofort verleiten. Nur streckenweise saugte er sich fest, hob immer wieder den Rüssel und wollte eine Abkürzung nehmen. Mit hängen und würgen haben wir es dann geschafft.

Heute haben Zhivago und Ich eine echte Suche auf eine Sau absolviert: 25 Stunden alt, überfroren. Nachdem wir die Sau gefunden hatten, habe ich Lancelot angesetzt und er hat seinen Job gut gemacht. Nachdem er an einer Fundstelle von Schweiß den Auftrag zuerst nicht ganz verstand, arbeitete er dann ruhig und sauber auch den Haken aus, den die Sau geschlagen hatte und kam souverän an. Da die Sau praktisch unbeschädigt aber verendet im Laub "hockte", durfte er nachher auch in den Kamm greifen - nachdem er die Sau zuerst mit großer Vorsicht umkreiste.

Ein gute Übungsfährte für den Kleinen.

10.12.2017

.... nun 2 Tage vor seinem 1 - jährigen Geburtstag wäre doch mal eine kleine "Bilanz" angesagt. Also eine klassische Drückjagdsuche kreiert:

mieserables Wetter, Schneereste, Kalamitätsfläche mit umgestürzten Bäumen, Kronen, Reisig, Brombeeren. Damwildfährte im zickzackkurs, über Stämme, Kronen und Reisighaufen. Gräben, Wege, mehrere scharfe Haken. Knapp 3 Stunden alt.

Am Start: Schneetreiben, scharfer Wind, Kälte, ein dünner Schneefilm liegt schon über der Fährte. Ob mein Weichei überhaupt raus will .... Irrtum, kaum hat er kapiert, daß gesucht werden soll, kommt er wie ein Torpedo aus seiner Kiste geschossen. Mit Mühe lege ich ihm sein Geschirr an, er hat inzwischen sein eigenes, professionelles, mit 20m Riemen.

Auf dem "Anschuß" eiert er herum, irrt durch die Gegend und ich überlege, ober er überhaupt "seine Fährte", seinen Auftrag verstanden hat. Ich überlege, ob ich ihn hier völlig überfordere ... vielleicht zeige ich ihm den Anschuß nochmal, da rastet er auch schon regelrecht auf seiner Fährte ein ....

Oh, ... den Verlauf habe ich auch nicht mehr im Kopf, ich habe keine Hilfen angebracht, also fix folgen .... aber jetzt geht mein Hündchen ab wie ein "Kärntner Zäpfchen" und ich muß einen Spurt in dem unwegsamen Gelände hinlegen. Nur eine kleine sekundenlange Kurskorrektur seinerseits erlaubt es mir, den schleifenden Riemen zu erhaschen, den ich jetzt nicht mehr loslasse - und der kleine Rüde legt eine rasante, praktisch fehlerfeie Suche -ohne jede Korrektur meinerseits- hin. Ich irre durchs Schneetreiben und weiß kaum selber mehr, wo es lang geht. 450m überschneite Fährte ... sogar meinen "Seitsprung" in die Brombeeren, an einem völlig unerwarteten Punkt, kurz vor dem Ziel buchstabiert er souverän aus.

Ho Rüd ho, mein kleiner Lancelot, du hast mich mal wieder beeindruckt.

02.12.2017

Wir beginnen wieder mit Fährtenschuhübungen.

600m bei Schnee gelegt, 20 Stunden Standzeit. Der Schnee ist inzwischen geschmolzen. Frische Rehwildverleitungen. Fichtenwald, Buchenwald, Wege.

Lancelot weiß gar nicht, was er hier soll, ich führe ihn in die Nähe der Fährte - dann scheint er sich wieder klar zu werden, was er hier arbeiten soll. Er braucht einige Minuten um sich wieder "einzugrooven" - dann allerdings arbeitet er, als wenn es um die Sicherung seiner Jahresration an Futter ginge.

Ich muß ihm wiederholt helfen aber es ist ja auch eine schwierige Fährte.

Er gibt nicht auf, sucht aber nicht immer sehr intelligent.

Wir müssen also wieder üben....

23.10.2017

Sau 2.0, die selbe Sau, 3 Stunden alt, 1300m, heute ist Lancelot ein anderer, er arbeitet sehr schnell, geradezu hektisch, er verliert häufig die Fährte, findet sie aber in Sekunden sofort wieder. Viele Haken, Wiesen, Schilf, Wege, Bankette, Unterholz, ein Graben wird gequert, Regen, alles ist naß, mitten im Wildeinstand mit frischen Verleitungen. Lancelot ist unter realistischen Bedingungen, völlig ohne Hilfe angekommen.

21.10.2017

Diesmal eine "junge" Fährte: Sau, 600m, Laub, Nadelwald, Verjüngung, Unterholz, Heidelbeere, Farn, Gras, Reisig. Nur eine Stunde alt aber mit diversen Erschwernissen: Regen, Reisighaufen, herumliegende Baumkronen, Brombeerverschläge, Himbeeren, mehrere spitze Haken, ein gequerter Schotterweg mit Haken auf dem Bankett und eine Verleitung, bei der ich auf der Stelle kehrt gemacht habe, auf meiner eigenen Spur zurückgegangen bin, etwas dumm herumgetreten habe und dann eine neue Richtung mitten in die ärgsten Brombeeren hinein eingeschlagen habe.

Lancelot arbeitete absolut routiniert und extrem sicher. Abgekommen, ist er ohne Verzug in Sekunden auf seiner Fährte zum Anschluß zurückgekommen, er hat sehr sinnvoll und sicher gesucht, ohne den geringsten Zweifel an seiner Arbeit und an seinem "Ankommen" aufkommen zu lassen. Und die Verleitung hat er in Sekunden wie ein "Alter" absolviert. Die Dornen hat er erstaunlicherweise ohne Zögern angenommen, den Regen völlig ignoriert.

Die 600m waren in 14 Minuten gearbeitet. Keine Abweichung war weiter als 8m von der Fährte entfernt.

Ich bin zur Erschwerniss hinter ihm von der Fährte abgewichen und habe keine Hilfe erteilt.

Wenn das kein Suchhund wird ...!

 

Lancelot ist ein hübscher Hund geworden, die zu erwartende Körpergröße ist perfekt. Während Zhivago gern folgt, ist Lancelot eher von der "dreisten" Sorte. Bei der letzten Etüde zum Thema Gesundfährten und Verweisen wäre er auf einer frischen Gesundfährte fast durchgebrannt, erst mein zweiter Anruf brachte ihn zurück. Er entdeckt jetzt also die Jagd und das freie "Herumkaspern" dürfte sich nun erledigen. Auf der Krankfährte individualisiert er und ließ sich bisher niemals verleiten, sein Finderwille ist sehr ausgeprägt. Er versteht bereits, daß die Gesundfährte mich nicht interessiert. Sein Interesse an Wild und den damit verbundenen Gerüchen ist erwacht und sein erstes "Jagderlebnis" sollte jetzt nicht ohne meine Aufsicht stattfinden. Also ist Leinenpflicht ausgerufen.

Auch wenn er weiß was z.B. "Ablegen" bedeutet, versucht er doch, die sich daraus ergebenen Pflichten zu umrunden. Trotzdem lernt er fleißig - und - er sucht mit deutlich weniger Druck am Riemen als Zhivago, das wäre eine erhebliche Erleichterung für mich.

Die Arbeit mit ihm macht Freude, hat er doch extrem wenig "Versager", deutlich weniger als Zhivago seinerzeit.

Während er -wie auch Zhivago- in seiner Freizeit (Tinas Spaziergänge rund um das Dorf) offenbar eher den Ruf eines "Problemhundes" (wie wahrscheinlich die meisten Bracken) genießt, werden die Beiden auf den Jagden von allen anderen stets als sehr ausgeglichen und folgsam wahrgenommen.

An folgendem Suchentracking wird sichtbar, daß keine "Schleife" notwendig war, um das Ziel zu erreichen.

12.09.

500m Sauenfährte, 25 Std alt, Brennesseln, Dickung, Brombeeren, Laub, Gras, Moos.

L. hat sehr prfessionell gesucht, wobei er am Anfang immer fix dabei ist, dann aber vermehrt herumsucht. Angekommen. Mehrere rechtwinkelige Haken meistert er problemlos. Die Brennesseln nimmt er überraschend cool an, auch die Brombeeren.

28.08.

Sau, 780m lang (1900m gearbeitet), 2 Tage !!! alt (48 Std.). Laub, Gras, wenig Begleitflora, Fichtenwald.

Lancelot hat merklich Probleme die Fährte zu halten, sucht aber immer selbstständig zurück. Ich kann gut erkennen, wenn er beim Wiederfinden auf der Fährte regelrecht "einrastet". Die Richtung kann er identifizieren. Er gibt nicht auf. Es war eine tolle Leistung, auch wenn wir vielleicht nicht angekommen wären, wenn ich jede Verirrung mitgegangen wäre - aber auch auf der echten Suche bleibe ich ja stehen, wenn ich erkenne, daß der Hund abgekommen ist. Diese "Hilfe" ist also durchaus realistisch.

Die Fährte sollte eigentlich keine 2 Tage liegen, aber gestern (Sonntag) hatte ich eine umfangreiche Suche auf Sauen und fand keine Zeit mehr, mit Lancelot zu üben.

22.08.

Da sind wir wieder. Nachdem Lancelot wegen eines beängstigend zugeschwollenen Auges (Insektenstich ??) aussetzen mußte, sind wir nun -nach diversen Tierarztbesuchen- wieder auf der Suche.

Kunstfährte, 450m, Sau, Laub, Gras, Brombeeren, Naturverjüngung, 14 Stunden alt. Lancelot sucht viel herum, ich helfe nicht, er umgeht mal wieder ein Brombeergebüsch. Einmal verirrt er sich recht weit ab (30m), sucht und findet aber selbständig zurück. In der Naturverjüngung gegen Ende kommen zwei Rehe dicht vor seiner Nase hoch. Lancelot verhofft, sucht aber weiter. Ein Reh läuft direkt durch unseren "Zieleinlauf". Lancelot prüft die frische Witterung, läßt sich aber nicht verleiten, sucht aktiv seine Fährte wieder auf und sucht ordentlich weiter bis zum Ziel. Angekommen unter realistischen Bedingungen.

08.08.

Echte Nachsuche auf einen Keiler, 9 Stunden alt, ca 400m, (ab und zu etwas Schweiß, ich habe eine gute Kontrolle. Nachdem ich mit Zhivago die Sau gesucht und gefunden hatte, habe ich Lancelot angesetzt. Meine und Zhivagos Spuren vom Auto zum Anschuß haben Lancelot nicht interessiert, auch nicht das Herumgesuche am Anschuß. Er hat sich sofort auf der Krankfährte festgesaugt, ich gehe darum davon aus, daß der Hund wirklich die Krankfährte arbeitet und nicht meine oder Zhivagos Witterung. Er hat zügig und recht sicher gesucht, zweimal ist er etwas abgekommen, hat sich aber selbst korrigiert. Ein Wundbett verwiesen. Ich kann inzwischen erkennen, wann er abgekommen ist. Er muß noch etwas großzügiger zurücksuchen, wenn er abgekommen ist.

Auf dem Luftbild sieht man aber, daß Lancelot (blau) nur unwesentlich mehr Strecke als Zhivago (rot) benötigt um anzukommen - also eine respektable Arbeit des kleinen Österreichers ...

Wir sind unter realistischen Bedingungen angekommen. Die Sau flößt Lancelot immer noch Respekt ein, das ist völlig in Ordnung.

Eine schöne echte Übungssuche. Der Schuß saß übrigens dort, wo er hin gehört.

02.07.

Heute hat Lancelot zum ersten mal klar angejagd, bisher hatte ich eher den Eindruck, er folgt einfach nur seinem anjagenden Kollegen.

Zhivago hat einen Hasen hochgemacht und sofort die Verfolgung aufgenommen. Lancelot hat ebenfalls lautgegeben und endlich auch diesen herrlich Brackenspurt hingelegt (das Luder ist nämlich im Gegensatz zu Zhivago etwas lauffaul). Bracken haben diese zwei Arten schnell zu laufen: sehr schnell rennen und wirklich schnell zu rennen. Bei der zweiten Gangart erkennt man ihren unbedingten Willen die Beute auch wirklich einzuholen, der ganze Körper streckt und beugt sich - schnellt wie ein Bogen zusammen und auseinander, der Kopf liegt relativ ruhig in der Luft es wird erstaunlich viel Raum gegriffen, ein herrlicher Anblick - es sind halt "Laufhunde". Da ein Weizenfeld und der Wald nah waren, wurde mir sofort klar: der Hase ist nicht in Gefahr, so habe ich die Hatz mit dem Auto verfolgt. Kaum war der Hase nach rund 550m im Wald und aus dem Blickfeld, ließ sich Lancelot, wenn auch etwas widerwillig, mit dem Rufton abrufen. Auch Zhivago ließ sich abrufen und erschien ohne große Verzögerung, er weiß inzwischen einfach ob es sich lohnt ...

Lancelots Jagdtrieb ist also erwacht, darum üben wir zurzeit auch mehr allgemeine Disziplin: setzen, ablegen, liegenbleiben, Standruhe, Frustrationstoleranz am abgestoppten Schweißriemen, Auto suchen und erkennen, Kontakt zum Herrchen halten usw.

28.07.

Sau, 22 Stunden alt, 650m lang, schwieriges Gelände mit viel Unterwuchs, Brombeeren, Naturverjungung, Gras. Lancelot arbeitet hart. Zweimal zeige ich ihm die Fährte, die er stets sofort wieder annimmt. Er hat noch nicht begriffen, daß er bei verlorener Fährte den Suchbereich nach und nach vergrößern muß. Das wird er noch lernen. Oft kann ich beobachten, daß er in Lee sich offenbar auf der niedergegangenen Partikelwolke regelrecht "verirrt". 30 Minuten haben wir gebraucht. Ohne Hilfe wäre er wahrscheinlich nicht angekommen.

18.07.

Sau, 26 Stunden alt, 550m Luftlinie, 1400m hat Lancelot gearbeitet. Buche, Fichte, ein Weg gequert, warm, sonnig.

Er arbeitet hart, kommt häufig ab, sucht aber immer wieder zurück.

Vor einem Brombeerverschlag steht er zögernd, umschlägt ihn dann rennend obwohl er weiß, daß die Fährte hindurchgeht. Allerdings nimmt er die herauskommenden Fährte sofort wieder auf und arbeitet unverzüglich weiter.

Er kommt an.

36 Minuten haben wir benötigt.

16.07

Sau, 700m (1200m gearbeitet), 4 Stunden alt. Auf dem Stoppel hält er die Fährte, solange sie einer Reihe folgt gut. Dann läuft die Fährte diagonal zu den Reihen und Lotti muß hart  arbeiten. Am Verlauf seiner Fährte (rot) kann man aber sehen, daß er die Fährte über weite Strecken hält. Nach jedem Wechsel des Bodens hat er Probleme - arbeitet sich dann aber ein. Im Wald hat er weit weniger Probleme. Ich helfe nicht. Erkommt an. Stoppelacker sind schwierig, er macht seinen Job aber nicht schlecht.

Vor ein paar Tagen hat er auf diesem Stoppelacker völlig versagt.

24.06.

1200m, Sau, Übernachtfährte, 18 Stunden alt. Der Boden durch kürzlichen Regen gut angefeuchtet.

Das war ein wirklich hartes Stück Arbeit. Im Laubaltbestand, zum Teil mit reichlich weicher Begleitflora, ist Lancelot häufig abgekommen, hat aber fleißig und immer selbstständig zurückgesucht, hier habe ich ihm einmal geholfen, da er zu weit abgekommen ist, ich bin nicht auf der Fährte stehen geblieben und folge ihm auch in die Irre, damit er sich nicht angewöhnt mich als sichere "Verweisung" zu sehen. Dann habe ich ihn abgerufen und im Bogen auf einen bereits gearbeiteten Teil der Fährte zurückgeführt. Er nimmt dann die gezeigt Fährte immer sofort wieder an. Diese Hilfe (zurückgreifen) gebe ich ja auch unter realistischen Bedingungen (wenn ich kann) - ist also völlig in Ordnung. Auf dem Bankett eines Waldweges konnte er die Fährte besser halten, auch auf dem kurzen Gras im Fichtenaltbestand. Auf dem kahlen Boden einer Fichtenverjüngung ließ er sich auf einem Wildwechsel verleiten, die Krankfährte war vorher gut 200 m auf dem Wechsel verlaufen. Ich habe ihn zurückgerufen, da er die Verleitung regelrecht arbeitete, das soll er nicht kultivieren. Er kam sofort auf den Rufton und hat die ihm gezeigte Krankfährte prompt wieder angenommen und zum Ende geführt. Sauber.

Lancelot arbeitet recht hektisch und kann so die Fährte oft nicht gut halten, dann muß er viel herumsuchen, er hat aber immer wieder Strecken, auf denen er sicher geht, das sollte ihn üben. Übernachfährten sind für ihn offenbar deutlich anspruchsvoller.

Immerhin war die Zeit in Bewegung mit rund 30 Minuten immer noch sehr gut. Trotz zweimaliger Hilfe eine tolle Suche. Und das bereits bei "Prüfungslänge und -Alter".

Ich muß also die Suche verlangsamen, das wird klappen, da er Widerstand am Riemen toleriert und sich nicht abringen läßt.

 

Am Teich mußte ich feststellen, daß Lotti sich, entschieden hat Wasser, wie die meinsten Bracken, doof zu finden, er mißtraute mir sogar etwas, weil er fürchtete ein unfreiwilliges Bad nehmen zu müssen - ob ich das noch verbessern kann? Zum ersten mal zeigt er sich etwas verängstigt. Daran müssen wir arbeiten.

 

Lancelot hat noch keinen Versuch gestartet meinen Einflußbereich zu verlassen, er hält stets Kontakt zu mir, auch auf der Suche hält er nach mir Ausschau, wenn der Abstand mal größer wird und er mich nicht mehr "aus dem Augenwinkel" sieht. Die "Versteckübungen" hatten also noch keinen Sinn, ich bin gespannt, wann er sich mal "verselbstständigt". Auf den Ruf -ob mit der Hundefunke oder "manuell"- hört er jedenfalls gut. Sitz und Ablegen kennt er. Ruhe am Stand halten üben wir gerade. Riemen und Halsung sind ihm vertraut. Das Ritual der "Suchenaufnahme" kennt er.

Seinen "Job" kennt er gut und kläffen kann er auch wie ein großer.

Ich bin sehr guter Dinge, daß er ein guter Suchhund wird.

Er ist ein hübscher Jüngling geworden und macht alles was Hunde so in diesem Alter machen ... Zhivago zeigt ihm ab und zu wer der Boss ist, ansonsten leben beide deutlich freundschaftlicher zusammen als ich das für möglich gehalten hätte.

Seine Größe wird schon passen.

Ho, Rüd, ho .... du kleiner, großer Sucher.

20.06.

18 Stunden alte Übernachtfährte, Sau, 888m gearbeitet, Buchenhochwald, Fichte, Schotterweg, trockene Böden, Graswege.

Lancelot hat professionell gearbeitet, nach der Querung des Schotterwegs hat er die Fährte verloren. Zum ersten mal kam er etwas ratlos zu mir, hat aber unaufgefordert weitergesucht. Ich habe ihm schließlich geholfen, indem ich einige Meter auf der Fährte ging, es soll ja noch nicht mühselig werden. Er konnte die Fährte sofort wieder aufnehmen, problemlos halten und ist angekommen.

18.06.

Sau, 430m, 6 Stunden alt, schwieriges Gelände, Reisig, reichlich Begleitflora, Brombeeren. Wir suchen jetzt mal in den späten Abendstunden. Lancelot sucht sehr sicher, engagiert und professionell, obwohl ich ihn "aus dem Bett geholt habe". Er kommt völlig problemlos und sehr zügig an. Ein wunderschöner Frühsommerabend. Im Wald liegt schon dieser helle Abendschatten mit den warmen Farben, alles ist noch frisch und satt.

Eine schöne Suche, zu Hause dann eine kalte Hollerbowle.

 

Heute haben wir schwimmen geübt. Ich habe ihn einfach mit ins Wasser genommen. und ausgesetzt. Er ist nicht begeistert, findet es aber auch nicht besonders schlimm. Lancelot ist wirklich keine Mimose. Er zappelte auch dann nicht, als ich ihn wiederholt ins Wasser trug: "... naja, was solls, da müssen wir wohl durch..."

17.06.2017

Sau, Übernachtfährte, 18 Stunden alt, Buchenhochwald, 600m.

Lancelot braucht 24 min. Er kommt viel ab, pendelt ständig, sucht aber ohne Unterlass. Ich kann noch nicht richtig lesen, wann er abkommt. Ich helfe nicht, er kommnt an. Die Übernachtfährten scheinen ein Problem zu sein.

Drei Rothirsche kommen in Abblick, Lancelot nimmt sie nicht wahr.

Ich muß hier mal die Kameras installieren.

11.06.2017

Was für eine Suche !!!!

Sau, knapp 600m lang, 4 Stunden alt. Fichtenwald mit Reisighaufen, Graswege, Brombeer- und Himbeermatten, Gräben, Buchenwald, Laub, Wege aus Schotter, überquert und auf dem Bankett entlang und wieder zurück gequert, Zick-zackkurs, Brennesselgräben, Moos, Matsche, Wege Hitze .......

Da ist er wieder, der Brackenwahn, dieser gnadenlose Finderwille. Nichts, aber auch gar nichts irritiert diesen 6 Monate alten Hund. Er liegt jetzt am langen Riemen, mit Brustgeschirr und Sendehalsband. Es ist warm, fast heiß, schwül. Und Lancelot sucht - er sucht wie ein Besessener. Ich bin mir des Fährtenverlaufes selbst nicht mehr sicher und stolpere hinterher, auch wenn er fehlgeht folge ich ihm, halte eilig den Riemen frei, hinter seinen endlosen Schleifen beim Wiedersuchen der verlorengegangenen Fährte. Lancelot sucht, sucht, wie er noch nie gesucht hat, ohne auch nur den geringsten Zweifel daran zu lassen, daß ER ANKOMMEN WIRD, er gräbt Trittsiegel aus, dreht Hölzer um und läßt ohne Unterlaß die Stoßatmung hören, die Hunde von sich geben, wenn sie kein Millionstel eines Geruchspartikels verpassen wollen .....

Und er ist angekommen - unter völlig realistischen Bedingungen. Das ist der Finderwillen der Bracken.

Im Auto sinkt er in die Polster, der "Ohnmacht nahe".

Was für eine Suche !!!!!!!

1. März 2017

Lancelot hat seine erste Futterspur gearbeitet.

Die Ausbildung zum Schweißhund beginnt ....

14. März

Schleppe mit Schwarzwilddecke, ca. 100m ist kein Problem.

25. März

die erste Fährtenschuhfährte, ca. 100m ist erfolgreich abgearbeitet.

03. April

Rehwildschleppe, 200m mit Kurven, Brombeeren, Reisig usw. Lotti arbeitet mit Disziplin. Er weiß, daß ich im den Anschuß zeige, ich verwende jetzt manchmal das "Suchkommando". Er sucht ohne sich ablenken zu lassen, wenn er die Fährte verloren hat, er zeigt das entschlossene "Zurückprallen", wenn er eine Verleitung aufgibt, weil er sich auf der falschen Fährte weiß. Er beschleunigt, wenn er sich sicher fühlt, er untersucht Äste usw. Er schaut sich um, um sich meiner zu versichern. Er begreift, daß auf der Suche er den Takt angibt. Problemlos und zügig angekommen.

06. April

Nachdem ich wieder auf Schleppen zurückgegangen bin, da Lotti mit der zweiten getretenen Fährte nichts anfangen konnte, jetzt wieder eine echte Fährtenschuh - Fährte mit Rehwildschalen und Decke.

Lotti fällt die Fährte ohne Verzögerung an und arbeitet so zügig, daß ich nicht hinterher komme. An einem Abzweig herunter vom Grasweg muß er zurücksuchen und ich kann aufholen. Im Wald pendelt er stark, kommt aber an. Es wird Zeit für den "Riemen". Lotti weiß jetzt worum es geht.

Doktor Zhivago und Lotti sind zweifelsohne Freunde geworden. Während der Übungseinheiten beobachtet Lotti genau was der Alte macht. Er lernt viel durch Beobachtung.

07. April

Gestern getretene Fährte, Rehwild. Lotti hat problemlos und sehr zügig gesucht und gefunden.

Heute realistische getretene Fährte, 250m Fichtenbestand mit Reisig, Brombeeren, Moos, Gräben, 3,5 Stunden Standzeit.

Lotti hat die Fährte selbstständig einige Meter nach dem Anschuss angenommen, häufig abgekommen, immer zurück gefunden. In die Brombeeren wollte er nicht rein. Umgehungsversuch hat er nach 15 m abgebrochen, zurückgekommen, dann in die Brombeeren gearbeitet, angekommen. Ohne Riemen, ich habe nichts kommentiert oä. Er wäre unter realistischen Bedingungen angekommen. Eine tolle Performance. Der Riemen ruft.

08. April

350m getretene Fährte, Damwild, 2,5 Std Standzeit, Laubwald, Unterholz, Gras, mehrere spitze Haken, viele frische Verleitungen von Hase, Reh, Sauen, Baumstämme, Brombeeren. Wie fast immer Rückenwind.

Lancelot mit einer Halsung an eine 8m lange, dünne Feldleine gelegt, diese störte ihn kaum, obwohl sie ihn 3 mal abstoppte und ich ihn befreien musste.

Er pendelte stark, kam mehrmals ab, suchte ohne unterlass zurück, ich habe nicht geholfen, er ist unter realistischen Bedingungen angekommen.

10. April

200m Damwild, getreten, mehrere Winkel und Kurven, 1 U-turn, 3 Stunden Standzeit, Laub, Heidelbeeren, Gras, Moos, Wegequerung, Graben.

Lotti an den 8m langen echten Riemen gelegt, nichts hat den Hund weniger gestört als der Riemen:

Arthur vom Granatstein, genannt "Lancelot der Jüngere" geht am Riemen.

Im Alter von knapp 4 Monaten. Ohne Probleme angekommen.

14. April

Schwarzwild, 380 m Fichten Altbestand, Buchenwald, Mischwald.

Auf einem Forstweg läßt er sich verleiten, bricht die Verleitung aber nach rund 20m unaufgefordert ab und kehrt zur Fährte zurück, angekommen.

16.April

Schwarzwild, 350m Kiefern Jungwuchs, Farne, usw. mehrere rechte Winkel auch auf einem Grasweg, Heidelbeeren Moos, Laub, Gras. Problemlos angekommen.

 

Lancelot zeigt ausgeprägten Fährtenwillen, der Riemen ist kein Problem. Allerdings will er die Beute anschneiden, ich bleibe jetzt also dicht dabei und behindere ihn freundlich aber bestimmt mit meiner Hand. Seine Freude am Ziel sieht nicht sehr spektakulär aus ...

Er verweist keine Wundbetten, pendelt stark und arbeitet zügig.

 

19. April

450m, Sau, Buchenhochwald, mehrere Haken, Lotti kommt mehrfach weit ab, ich tue nichts - helfe nicht, er hält Kontakt zu mir, sucht die Fährte stets wieder, er kommt unter realistischen Bedingungen an, er will anschneiden - da muß ich jetzt gegenarbeiten.

20. April

600m ! , Sau, Buchenhochwald, Laub, Gras, Waldmeister Standzeit: 3 Stunden. Er nimmt die Fährte problemlos an. Über mehrere frische Rehbetten hinweg - die er völlig ignoriert, 0,5m vorbei an einer ganz frischen Suhle und 20m parallel zu einer frischen starken Sauengesundfährte (letzte Nacht), er ignoriert diese Verleitungen völlig, ich kann meine getretene und die Gesundfährte im Waldmeister erkennen - 0,5m Abstand. Vor einem dichten Schopf Naturverjüngung aus Hainbuche, faselt er herum, findet erst nach mehreren Versuchen den Einstieg. Kurz vor der Querung eines Forstweges überraschender Kontakt zu einer Spaziergängerin mit Hund auf dem Weg. Lancelot unterbricht und gibt anhaltend Laut, bleibt aber diszipliniert auf seiner Krankfährte stehen. Ich reagiere nicht. Nachdem die Spaziergängerin ausser Sicht ist, arbeitet er ohne Verzug unaufgefordert weiter, prüft die frischen Spuren von Mensch und Hund auf dem Weg und nimmt seine Krankfährte unaufgefordert wieder an. Allerdings hat er jetzt erhebliche Probleme die Fährte zu halten, kommt ständig ab und findet nur Segmente der Krankfährte wieder. Aber er arbeitet sich ohne meine Hilfe bis zum Ziel durch. Angekommen. Die Sauenschalen versucht er jetzt ziemlich geschickt zu vergraben. Ich habe keine Markierungen an Bäumen angebracht, kann also die Richtigkeit seiner Arbeit nur an seiner Gangart kontrollieren

 

Also: Anschneiden und Vergraben sind die Problemfelder, hingegen sind Verleitungen kein Problem. Ich werde auf andere Wildarten umsteigen und die Standzeit Richtung 24 Stunden erhöhen. Futterspuren kann ich mir verkneifen, auf diesen albert er zuviel mit hoher Nase herum - während er getretenen Fährten mit erwachsener Ernsthaftigkeit nachhängt. Rückenwind ist Pflicht, damit der Rüssel schön untenbleibt und der Eifer nicht durch heranwehende Witterung zu Abkürzungen mit hoher Nase verleitet. Bald sollte er am Ziel echte Beute vorfinden, seine Arbeit wirkt fast beängstigend abgeklärt und routiniert. Nun denn: die Saison naht.

 

23.April

Lotti hatte Anblick (Rehwild) und hat spontan Laut gegeben, für eine Bracke eine wichtige "Tat" - wird doch nur ein geprüfter Lautjäger zur Nachsuchenprüfung zugelassen.

Momentan üben wir Reviergänge am Riemen.

 

28. April

Damwild, 3 Stunden alt, 520m, Laubwald mit Verjüngung, Gras, Brombeeren, Gräben, Wege, Fichtenwald, Moos, Reisig, mehrere Haken, besondere Schwierigkeit: an einem Forstweg erst längs auf dem Benkett, dann diagonal gequeert, dann wieder auf dem Bankett, parallel, hat er gut gemeistert. Scharf abgebogen in den Wald. Angekommen. Lancelot muss häufig zurücksuchen, was er aber mit Ausdauer tut.

Die "stille Minute" auf der Heckklappe, nach getaner Arbeit lieben alle meine Hunde.

 

30. April

Die erste Nacht Lancelots des Jüngeren.

Damwild, Übernachtfährte !, 21 Stunden Standzeit, 220m lang.

Wie schon Zhivago interessiert sich auch Lancelot wenig bis gar nicht für den Anschuß und beginnt sofort bis zu 20m in Lee der Fährte herumzusuchen. Mir schwant etwas: Der recht kräftige Wind, der hier in den Wald streift, hat das Laub verdriftet - kaum gedacht, führt mir eine Böe vor, wie einzelne Blätter genau besagte Strecke verdriftet werden. Ich habe also offenbar ungewollt dem kleinen eine echte Erschwernis eingebaut. Ich tue nichts, Lotti merkt, daß er die Fährte nicht hat, läßt sich aber immer wieder verleiten, nimmt oft Blickkontakt mit mir auf. Ich helfe nicht und der Hund arbeit sich langsam vor, der Wind ist hier weniger wirkungsvoll, dann hat Lancelot die Fährte und kann sie jetzt halten, wenn auch mit vielen Schleifen. Sicherlich muß er sich auch erst klar werden, daß das Ganze jetzt etwas anders riecht. Der Boden wechselt, Fichtenwald, Gras, Reisig, Lancelot hält die Fährte. Ein Hase geht ab, Lancelot bemerkt ihn nicht, driftet jetzt aber in dessen Richtung. Ich überlege gerade ob ich eingreifen soll, entscheide mich aber dagegen - da wird mir klar, daß das der Fährtenverlauf mit einer Kurve ist und ich den Hund fast in die Walachei gelockt hätte. (Wie sagte mein erster Lehrer stets: "...glaube deinem Hund!") Lancelot hält die Fährte jetzt bis zum Ziel, der Hase ist kein Thema, obwohl wir seine Individualwitterung kreuzen. Unter realistischen Bedingungen angekomen, aber ein Stück harter Arbeit für den kleinen Hund.

Lancelot sinkt im Auto in die Ecke und will nur noch pennen.

Die Übernachtfährte ist geschafft. Die nächste Phase beginnt.

 

Lancelots erste echte Suche, 1.Mai, 8.30 Uhr

Ein Anschuß (Rehbock) mit deutlich sichtbarem Schweiß (Totsuche), sichtbare Spur. Die Beute ist nicht sichtbar im Gebüsch verschwunden und wurde auch noch nicht aufgesucht.

Ich lasse Lancelot einfach wie zufällig an den Anschuß, den er aufmerksam und anhaltend bewindet, dann nimmt er selbständig die Spur an und arbeitet diese etwa 40 m bis zum Ziel. Er irrt zweimal ab, sucht zurück.

Den Bock am Ende beleckt er interessiert, versucht nicht anzuschneiden. Ich lobe ihn ausführlich und hebe das Haupt des Stückes. Der Kleine macht seinen ersten verzagten Drosselbiss. Ein erfolgreicher Morgen.

Danach fahre ich zur ersten Nachsuche dieser Saison. Zhivago sucht problemlos an und macht den gesunden Bock nach 120m schließlich im Gebüsch hoch. Ich kann den offenbar unversehrten Bock sehen, lasse den Hund aber noch weitere 150m "kontrollieren" , wobei er den restlichen Sprung hochmacht, und beende die Suche.

 

01. Mai

Damwildfährte, getreten, 24 Stunden alt, Fichtenaltbestand. etwas Buchenlaub, 320m, Rückenwind

Lancelot sucht etwas herum, findet dann die Fährte und kann sie gut halten, er sucht stets selbstständig zurück, wir kommen nach rund 10 min. ohne Hilfe unter realistischen Bedingungen an. Er hält immer schön Kontakt zu mir.

 

Die Suchen mit Lancelot laufen völlig ohne Auftrag, Kommando oder auch nur einer Andeutung davon, ab. Er lebt seinen angewölften Trieb aus. Allerdings erlebt er, daß die Suche "sein Spiel" ist: es läuft nach seinen Wünschen, in seinem Tempo, in seinem Modus, nach seinen Regeln. Meine ungeteilte Aufmerksamkeit ist ihm gewiss, auch muß er sich nicht sorgen, mich zu verlieren, ich folge und kümmere mich um den Riemen. Am Ziel hat er  erst meine empathische Zuneigung, dann einen Moment des gemeinsamen "Ruhens".

Das Ausführen von Kommandos ist hier völlig ausgeblendet. Über dieses Tun soll der Hund zukünftig einen möglichst großen Teil seines Lebens definieren. Aufforderungen oder helfende Kommandos lassen sich später, wenn der Hund mit schlafwandlerischer Sicherheit weiß, was zu tun ist, mit Leichtigkeit ganz nebenbei einführen. Die Suche ist nicht Arbeit sondern Beutetrieb.

 

Jetzt machen wir erst mal ein paar Tage Pause - und damit niemand glaubt bei uns ist alles immer einsame Spitze:

der Kleine klaut, strullt immer noch ins Haus (manchmal), springt hoch, hüpft ins Bett und auf das Sofa, gräbt Blumen aus, schmeißt sich auf den Rücken, wenn er hochgenommen werden soll, kaut meinen Borsalino (sehr teurer italienischer Hut) breit und - und - und ........ wir lieben ihn.

06. Mai

Lancelot sucht einen Bock, 40 m, realistische Bedingungen. Ich setze ihn auf den Anschuß mit einem kleinen Schweißfleck (Lunge). Ich habe selbst die Lage noch nicht eruiert. Zur Sicherheit lege ich Zhivago in der Nähe ab - so kann ich ihn jederzeit hinzuziehen.

Lancelot nimmt die Fährte nach kurzer Untersuchung des Anschusses an, hält die Fährte problemlos und findet den Bock in der Buchenverjüngung. Wir haben einen fröhlichen Mai - Morgen.

Am nächsen Tag folgt Lancelot einer kurzen Sauensuche mit Zhivago und hat Kontakt zu seinem ersten Schwein.

Ein wirklich hundefreundliches Wochenende in der Lausitz.

Eine mit einem erlegten Bock gezogene Kunstfährte nimmt er allerdings nicht ernst und albert völlig relaxed in der Gegend herum - ich entschließe mich, mir das in Zukunft zu verkneifen und den Hund auf anspruchsvolle, mit dem Fährtenschuh getretene Fährten, zu führen. Gut, daß ich einen großen Vorrat an Material in der Gefriertruhe habe. Es soll ihm nicht mangeln .....

 

Wieder wird mir klar, daß die kompromisslos positive Verankerung des Themas "Suche" im Leben der Bracke entscheidend für einen hohen Leistungsstand ist, ich denke, das ist nicht mit Dressur zu erreichen. Auch müssen ihn die Suchen fordern und ihm die hohe Komplexität dieser Arbeit klarmachen. Bei Lancelot müssen wir jetzt allerdings beim Thema Disziplin im allgemeinen Leben etwas aufholen. Guckt mich der kleine Pis.... doch völlig unbedarft mit großen Glubschaugen an, während er neuerdings mal wieder in die Hütte schifft .... direkt vor die geöffnete Tür.

...

 

21.05.2017

Es ist passiert: Lancelot ist nicht angekommen. 24 Stunden alt, Sau, Laubwald, Nadelwald.

Die ersten 300 m hat Lancelot die Fährte gut gehalten, wenn auch mit etwas Mühe. Im Fichtenaltbestand, auf Moos und Reisig kam er ab und fand nicht zurück. Ich habe ihn zum Ziel geführt, zwischendurch fand er die Fährte mehrfach wieder, konnte sie aber nicht halten. Er suchte zwar weiter, ich hatte aber den Eindruck, daß er etwas unkonzentriert war.

Das ist nun wahrlich keine Katastrophe - hat er doch bisher alle Fährten zu Ende gebracht. Eine Erfolgquote, die Zhivago in seiner Ausbildung durchaus nicht vorweisen konnte. Auch ist Lancelot erst gute 5 Monate alt.

Ich werde die Kunstfährten also wieder vereinfachen.

27.05.2017

WIR SIND WIEDER DA !!!

Nach einer Pause nun wieder eine Kunstfährte, Sau, 700m, über 3 Stunden alt, sommerliche Wärme, alle Bodentypen.

Lotti arbeitet sicher und zügig. Jungbestand mit Unterwuchs, Reisighaufen, auf einem in der Hitze liegenden Magerrasen hat er Probleme, das ist offenbar immer schwieriges Terrain. Im Wald flutscht es wieder. Einmal helfe ich etwas, er hätte sicherlich aber auch so den Anschluß wiedergefunden.

Angekommen unter realistischen Bedingungen.

03. Mai

Getretene Fährte, Damwild, 480m, Laubwald, Fichtenwald, Naturverjüngung, Reisig.

Die Fährte wurde von einem Jungjägeranwärter getreten, ich bin in wechselnden Entfernungen parallel gegangen und habe die Fährte auch mal gekreuzt. Lotti hat problemlos auf der Krankfährte gearbeitet, hat zwischendurch meine Spur geprüft, sie auch für ein paar Meter angenommen, um dann selbstständig, ohne jede Beeinflussung die Krankfährte wieder anzunehmen und weiter zu arbeiten. So konnten wir feststellen, daß die Verleitung durch meine Spur keinen nennenswerten Einfluß auf seine Suchleistung hat und der Hund sich auch  nicht an meiner Spur orientiert.

Er hat ruhig und konzentriert gearbeitet. Dreimal abgekommen, zurückgesucht. Angekommen.

Seine Freude an der Beute ist stets sehr mässig. Ich denke der Jagdtrieb -sobald erwacht- wird aber sein übriges tun.

Ist dieser Moment da, soll der Hund wissen was er tun soll.

 

Einen geschossenen Bock fand er erst interessant, als wir diesen beim Bergen bewegt haben, dann war er allerdings zügig an der Drossel.

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